Sind Sie sexuell belästigt worden, haben exhibitionistisches Verhalten erlebt oder wurden sexuell genötigt oder vergewaltigt?
Sexualisierte Gewalt umfasst erzwungene sexuelle Handlungen und grenzverletzendes Verhalten mit sexuellem Bezug. Sie kann überall auftreten – zu Hause, im öffentlichen Raum, in der Schule, am Arbeitsplatz oder in Partnerschaften. Häufig stammen die Tatpersonen aus dem nahen Umfeld.
Im Kern geht es meist um Machtausübung, Erniedrigung und Demütigung.
Wenn Sie betroffen sind
Sie sind nicht allein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Unterstützung zu erhalten. Sie entscheiden selbst, welche Hilfe Sie in Anspruch nehmen möchten.
Folgende Stellen stehen Ihnen zur Verfügung – auch noch längere Zeit nach einem Vorfall.
Polizei
Aufnahme der Meldung sowie Einleitung der notwendigen Ermittlungen.
Inselspital
Medizinische Versorgung und Spurensicherung.
Opferberatungsstelle
Kostenlose und vertrauliche Beratung sowie Unterstützung bei weiteren Schritten.
Medizinische Unterstützung
Nach sexualisierter Gewalt kann eine medizinische Untersuchung wichtig sein. Idealerweise lassen sie sich in den ersten 72 Stunden nach der erlebten Gewalt medizinisch untersuchen. Auch später kann eine Untersuchung aber noch wichtig sein. Wenden Sie sich dafür an das Inselspital in Bern.
Im Inselspital werden:
- mögliche Verletzungen behandelt
- Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten durchgeführt
- wenn nötig Medikamente verabreicht (z. B. Notfallverhütung)
- Spuren gesichert
Diese Untersuchung und Spurensicherung können im Rahmen des «Berner Modells» durchgeführt werden, ohne dass die Polizei informiert wird. Sie können sich anschliessend in Ruhe beraten lassen und entscheiden, ob und wann Sie eine Anzeige erstatten möchten. Nur wenn Sie dies wünschen, wird die Polizei informiert. In diesem Fall können die gesicherten Spuren im Rahmen eines Strafverfahrens ausgewertet werden.
Beratung und Unterstützung
Die Beratung ist kostenlos und vertraulich.
Kontakt Beratungsstellen
- Opferhilfe-Nummer, 142
- Lantana Bern (für Frauen und Kinder)., 031 313 14 00
- Vista Berner Oberland (für Frauen und Kinder), 033 225 05 60
- Opferhilfe Bern (für Erwachsene und Kinder), 031 370 30 70
- Opferhilfe Biel (für Erwachsene und Kinder), 032 322 56 33
- Kinderschutzgruppe (für Kinder), 031 632 94 86
Weitere Angebote:
- Pro Juventute, Telefonhilfe und Beratung für Jugendliche, 147 (inkl. SMS), Chat auf www.147.ch, beratung@147.ch
- Die Dargebotene Hand, Telefonhilfe 143, Chat auf www.143.ch
- LGBTIQ-Helpline, 0800 133 133, hello@lgbtiq-helpline.ch, Chat auf www.lgbtiq-helpline.ch
Liste der Opferberatungsstellen im Kanton Bern
Sexualisierte Gewalt im Internet
Sexualisierte Gewalt findet zunehmend auch online statt – zum Beispiel durch:
- Verbreitung intimer Bilder ohne Zustimmung
- Erpressung mit Bildern oder Videos (Sextortion)
- sexuelle Belästigung im Internet
Was Sie tun können
- Nicht auf Erpressungen eingehen.
- Kein Geld oder weiteres Bildmaterial senden.
- Kontakt abbrechen.
- Erstatten Sie möglichst rasch Anzeige bei der Polizei.
- Wenn möglich, sichern Sie Beweise: Screenshots von Chats oder Profilen, notieren Sie Benutzername, Profilname, User-ID, Telefonnummern, Datum und Uhrzeit der Nachrichten. Achtung: Keine Screenshots, kein Speichern oder Weiterleiten von kinderpornografischem Material. Ungewollt erhaltenes Material samt betroffenem Gerät rasch der Polizei übergeben.
- Verbreitung stoppen: Wenden Sie sich an die betreffende Plattform und verlangen Sie die Löschung. Bei Bildmaterial von Minderjährigen: Wenden Sie sich an Take It Down, um Fotos und Videos zu löschen.
- Richten Sie einen Google Alert ein, um über Bildmaterial in Ihrem Namen informiert zu bleiben.
Weitere Informationen
Sextortion - Erpressung per E-Mail oder SMS | Schweizerische Kriminalprävention