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200 Jahre Kantonspolizei Bern

Von "fragwürdigen Subjekten" zu anerkannten Profis

Ein Blick in die Geschichte der Kantonspolizei Bern 1804 - 2004:

Die Revolutionsjahre sind vorüber. Mit der feierlichen Proklamation der Mediationsakte am 10. März 1803 erfolgt gleichzeitig die Publikation der auf ihr basierenden Verfassung des Kantons Bern. Das ist das Ende der Helvetik. Die Kantone, zu deren Zeit reine Verwaltungsbezirke, erhalten wieder eine grössere Selbstständigkeit und sind für ihre innere und äussere Sicherheit verantwortlich. Die Zeiten sind schwierig. Die 1798 proklamierten Menschenrechte sind ebenso gewöhnungsbedürftig wie der Abschied von althergebrachten Rechten und Gewohnheiten. Vor allem die Niederlassungsfreiheit führt zu Unsicherheit.

Nicht zuletzt aus Angst, dass die bisherigen Kontrollmechanismen der „neuen Mobilität“ nicht mehr genügen können, beschliesst die neue Kantonsregierung, „der Kleine Rat“, am 26. Oktober 1803, die bisherige „Stadt- und Land-Maréchaussée“ durch „ ein militärisches Corps von Einhundert Landjägern mit Inbegriff ihres Chefs und seiner Untergeordneten“ zu errichten. Die Rekrutierung wird dem Berner Stadtpolizeidirektor Wild übertragen. Das Soll ist schnell erreicht: Harschierer aus dem Alten Bern, ehemalige Söldner, aber auch „Polizeidiener“ und Nachtwächter versprechen sich von einer Festanstellung ein besseres Leben.

Landjäger gegen Landstreicher

Am 1. Januar 1804 nimmt das Landjägerkorps seinen Dienst auf, kaserniert in der Stadt Bern oder verteilt auf Aussenposten, vor allem auch dort, wo sich erfahrungsgemäss Landstreicher aufhalten. Eine besondere Bedeutung erhalten Grenzstationen wie Gümmenen, Dürrenroth und Murgenthal. Unerwünschte Reisende sollen von einem Überschreiten der Kantonsgrenze abgehalten werden. „Ein wachsames Auge auf Gesindel, Bettler- und Gaunervolk“ halten und diesem „kräftig entgegentreten“ gehört zu den Hauptaufgaben, ebenso wie der Wachtdienst und Gefangenentransporte.

Tschakos und Helme des Polizeikorps 1804 - 1954

Bild vergrössern Tschakos und Helme des Polizeikorps 1804 - 1954

Die Oberamtmänner (miss-)brauchen die Landjäger gerne auch als Briefträger und zur Verrichtung privater Kommissionen. Bereits 1809 erfolgt eine vollständige Neuorganisation mit vier Divisionen, die jeweiligen Oberämter umfassend. 1815 folgt die Vereinigung des Kantons mit den „Leberbergischen Bezirken“, d.h. dem Jura, was den Aufbau eines Grenzschutzes gegenüber dem Ausland erfordert.

Die Landjäger geniessen im Land herum kein hohes Ansehen. Bei einem grossen Teil der Bevölkerung gelten sie als Spitzel der Regierung, als Müssiggänger. So schreibt beispielsweise Jeremias Gotthelf am 22. August 1842 an seinen Freund, den Amtsrichter Burkhalter in Niederönz: „Und in dieser Frechheit von oben wird alles frech, und die ganze Polizei zum Beispiel artet in das schändlichste Landjägerregiment aus, so dass ehrliche Leute vor ihnen nicht sicher sind, von ihnen zum Beispiel aus Wirtshäusern gewiesen zu werden, damit sie mit ihren Spiessgesellen ungestört saufen und spielen können“.

Hinweis

Jubiläumsbroschüre "200 Jahre Kantonspolizei Bern: 1804 - 2004".
Die Broschüre kann für CHF 10.-- erworben werden. Bestellungen per Mail oder unter Telefon 031 634 40 71.

 Mailadresse für Bestellungen

Kampf ums tägliche Brot

Unfalldienst

Bild vergrössern Unfälle, seit Jahren ein Thema der Polizeiarbeit

Mit den ersten Telegraphenverbindungen (1852), der Einfahrt der ersten Eisenbahn in Bern (1859) und der langsam einsetzenden öffentlichen Bautätigkeit fängt auch für die Polizei ein neues technisches Zeitalter an. Vorher hat praktisch alles mit Post- und Eilboten beziehungsweise mit beschwerlichen Fusstransporten erledigt werden müssen. Mit einer straffen militärischen Disziplin und Strenge wird auf Nachlässigkeiten im Landjägerkorps reagiert, der Lohn reicht kaum für ausreichende Ernährung und Unterkunft. Die immer wiederkehrenden Hungerjahre, Wirren im Jura, die Einsätze bei Streiks, die zunehmende Kriminalität bedeuten viel Arbeit, das Ansehen in der Bevölkerung ist jedoch so schlecht wie zuvor. 1894 geht die Grenzwache im Jura an das neugegründete eidgenössische Grenzwachtkorps über, und der Polizeidienst in der Stadt Bern wird den Gemeindebehörden definitiv überlassen. Die etwa 300 Landjäger kämpfen ums tägliche Brot, um die Anerkennung als vollwertiger Berufsstand und um ihre Zukunft. Erst mit der Gründung des Verbandes der kantonalen bernischen Polizeiangestellten (1900) wird die materielle Besserstellung langsam Tatsache; er kämpft erfolgreich für das Gesetz betreffend das bernische Polizeikorps von 1906.

Eine erste Pionierrolle übernimmt das Korps in der Kriminalitätsbekämpfung. Im Auftrag der kantonalen Polizeidirektoren prüft es ein vom Franzosen Bertillon ausgearbeitetes Körpermessverfahren, das eine einwandfreie Indentifizierung einer Person erlaubt. Eine „Anthropometrische Zentralstation“ wird eingerichtet, die nötigen Instrumente und ein Fotoapparat beschafft.

Als die ersten Autos aufkamen

Die ersten Frauen bei der Kantonspolizei Bern

Bild vergrössern Die ersten Frauen bei der Kantonspolizei Bern

Kaum ein Objekt hat das Alltagsleben so nachhaltig verändert wie das Auto. Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg stehen denn auch im Zeichen des anrollenden Strassenverkehrs. Aus dem ganzen Kanton laufen ständig Klagen über das unvernünftige Fahren ein – erlaubt ist Tempo 40. Und die Lenker ihrerseits protestieren wegen Schikanen der Bevölkerung, die mit Brückenwagen, Drahtseilen oder Ketten Strassen verbarrikadiert. Die erste Autopatrouille der Kantonspolizei – vier Mann, ein Auto und zwei Motorräder – wird jedoch erst anfangs der Zwanziger Jahre Tatsache.

Erst jetzt beginnt die eigentliche technische und organisatorische Entwicklung des Korps bis hin zum professionellen Dienstleistungsbetrieb in Sachen Sicherheit, wie wir ihn heute kennen.


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