Verkehrssünder auf dem Bildschirm
Die Kantonspolizei Bern stellt fest, dass die Regeln des Strassenverkehrs in zunehmendem Masse missachtet werden.
Um diesem Missstand entgegenwirken zu können, setzt sie moderne technische Hilfsmittel ein. Eines davon ist das Verkehrsvideo-System ViDistA (Video-Distanz-Auswertung).

ViDistA-Fahrzeug mit Kamera vorne
Die Zahl der Verkehrsunfälle hat in den letzten Jahren auf schweizerischen Autobahnen zwar leicht abgenommen. Trotzdem liefern die Statistiken klare Fakten. So sind der ungenügende Abstand beim Hintereinanderfahren sowie auch das Nichtanpassen der Geschwindigkeit an die entsprechenden Verhältnisse die häufigsten Unfallursachen. Insbesondere die zunehmenden Auffahrunfälle führen immer wieder zu schweren Verletzungen.

...oder hinten.
Um dieser Entwicklung entgegentreten zu können, setzt die Kantonspolizei Bern seit 1995 ein spezielles technisches Hilfsmittel in der Verkehrsüberwachung ein. Es handelt sich um das Verkehrsvideo-System ViDistA. Die Aufnahmeeinheit ViDistA VDM_R erlaubt die bildliche Dokumentation von Verkehrssituationen mit gleichzeitiger Einblendung der dazugehörenden Geschwindigkeits-, Weg- und Zeit-Daten. Diese Videobilder dienen anschliessend als Grundlage für die weiteren Berechnungen.

Bild vergrössern (Öffnet ein neues Fenster) Computergestütztes Auswertsystem
Das computergestützte Auswertsystem für Videobilder erlaubt es, die auf der Strasse fahrend erfassten Verkehrssituationen nachträglich am Bildschirm zu vermessen und mit Hilfe des Strahlensatzes der Planimetrie die Geschwindigkeit und Abstände exakt zu berechnen.

Verkehrsvideo-System ViDistA im Einsatz
Dazu werden mit einem VideoDistanzMeter (VDM) horizontale und vertikale Linienpaare in das Videobild eingeblendet. Der Abstand der Linienpaare ist mit einem ebenfalls eingeblendeten Zahlenwert versehen. Diese Messeinrichtung gestattet es nun, Fahrzeuge am Bildschirm in ihrer Grösse (Breite oder Höhe) zu vermessen und dabei den Abstand zur Aufnahmekamera zu berechnen. Die dazu benötigten Fahrzeugabmessungen werden aus den Typengenehmigungen des einzelnen Fahrzeuges entnommen.
Die Aufnahme- und Auswerteeinheit ViDistA ist in der Schweiz durch das Link öffnet in einem neuen Fenster.•Bundesamt für Metrologie zugelassen worden.

Bild vergrössern (Öffnet ein neues Fenster) Abstandsgrafik
Das Verkehrsvideosystem ViDistA wird täglich in der polizeilichen Grundversorgung eingesetzt und dient einerseits der beweissicheren Dokumentation von gefährlichen und unfallträchtigen Delikten im Strassenverkehr, die im ungünstigsten Fall zu einem Verkehrsunfall führen können. Andererseits soll auch die Akzeptanz der Vorhaltungen bei Betroffenen gefördert werden, indem ihnen die begangene Widerhandlung bei der anschliessenden Kontrolle vor Ort nochmals vor Augen geführt werden kann. So wird neben einer sicheren Beweisführung im Einzelfall eine allgemein präventive und verkehrserzieherische Wirkung erreicht. Der Einsatz von ViDistA dient also der Verkehrssicherheit auf unseren Strassen.
Erfreulicherweise verhalten sich die meisten Verkehrsteilnehmer im
Strassenverkehr korrekt. Trotzdem wurden im Jahr 2010 mit dem
Verkehrsvideosystem ViDistA (Klammer: Vorjahr)
- 296 Abstandswiderhandlungen (272)
- 462 Geschwindigkeitswiderhandlungen (343)
- 68 Rechtsüberholmanöver (25)
- 87 Fahrstreifenwechsel mit Behinderung oder Gefährdung (46)
erfasst und zur Anzeige gebracht. Dabei waren rund zwei Drittel dieser
Widerhandlungen eine schwere Verkehrsregelverletzung im Sinne von SVG Art. 90 Abs. 2, was einen obligatorischen Führerausweisentzug nach sich zieht.
Die höchste Geschwindigkeitsüberschreitung betrug 65 km/h (72 km/h im Vorjahr). Der kleinste berechnete Nachfahrabstand lag bei lediglich 0,26 Sekunden (0.25 Sekunden im Vorjahr).
Hinweis
Als Faustregel für genügenden Abstand gilt bei normalen Verhältnissen der „halbe Tacho", d. h. halb soviel Meter, als die Geschwindigkeit in Kilometern beträgt (rund zwei Sekunden). Der Abstand ist zu vergrössern, wenn die Fahrbahn nass, verschneit oder vereist ist (sechs bis zehn Sekunden).
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